DAGO Teilnehmerinnen - gleich geht es ins "unterirdische Esslingen"
Ein Ausstellungsraum von vielen ...
DAGO Vize Captain Ingrid Armbrust (li) dankt Doris Paul für ihre beeindruckende Führung im "unterirdischen Esslingen"

Esslingen unterirdisch

Am 14. Februar dieses Jahres lud unser DAGO Mitglied Doris Paul, eine leidenschaftliche Esslinger Fremdenführerin, die DAGOs zu einem Besuch des „unterirdischen Esslingen“ ein. 24 Damen folgten der Einladung.

Das archäologische Museum St. Dionys unter der Stadtkirche

1960 sollte die Esslinger Stadtkirche St. Dionysius eine neue Heizung erhalten. Dazu wurden die gesamte Innenfläche und ausgewählte Umgebungsbereiche archäologisch untersucht. Dabei fand man nicht nur frühe Zeugnisse der Kirchengeschichte, sondern auch Gegenstände aus der frühen Siedlungsgeschichte. Man stieß auf eine über Jahrhunderte dauernde Bauabfolge, die nicht nur die kirchliche Entwicklung Esslingens, sondern auch die politische und soziale Entwicklung vom Dorf zum regionalen städtischen Zentrum widerspiegelt.

Nach der Ausgrabung wurde das Untersuchungsfeld nicht wieder mit Erdmaterial aufgefüllt, sondern es erhielt eine Betondecke. Ab 2001 wurde das Ausgrabungsmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Fundstücke aus der Grabung wurden museal aufgearbeitet und in den siedlungsgeschichtlichen Zusammenhang gestellt.

Abt Fulrad vom Kloster Saint-Denis bei Paris hatte an dieser Stelle ein kleines Mönchskloster errichtet. Das Kloster Saint-Denis ließ nach seinem Tod die Gebeine des Märtyrers Vitalis und Reliquien des Märtyrers Dionysius nach Esslingen überführen und eine Kirche bauen.

Die Kirche Vitalis I. wurde im späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert an der Stelle der heutigen Stadtkirche St. Dionysius errichtet. Hier fand man die Gräber der Mönche des Klosters. Sie waren im Schiff beigesetzt worden. Außerhalb der Kirche fand man die Gräber der Laien. Um das Jahr 860 ließ der Konvent von Saint-Denis die Kirche vergrößert neu bauen, Vitalis II. Die hier bei der Ausgrabug gefundene Stollenkrypta gehört zu den bedeutensten frühmittelalterlichen Bauzeugnissen Südwestdeutschlands. Die Anlage unter dem Altarraum erlaubte den Pilgern den Zutritt zum Grab des heiligen Vitalis.

Im 10. Jahrhundert wurde Esslingen zu einem wichtigen Hauptort des Herzogtums Schwaben. Herzog Luitolf (949-954), der älteste Sohn Kaiser Ottos I, errichtete hier eine Münzstätte. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde Esslingen Freie Reichstadt. Im Zuge verschiedener Neubaumaßnahmen entstand nach und nach die Kirche St. Dionysius nach dem Vorbild des Wormser und Straßburger Doms. Der heute noch stehende Südturm wurde gebaut. Die beiden Osttürme wurden erhöht. Durch die Niederlassung der Bettelorden (Dominikaner, Franziskaner, Karmeliten) wurde die Kirche zu klein, es erfolgte der dritte und letze Chorneubau (anno 1321). Das Langhaus wurde verlängert. In diesem Zustand ist die Stadtkirche St. Dionysius bis heute erhalten geblieben.

Zu besichtigen sind im Ausgrabungsmuseum unter anderem Fundamente des Chors von St. Vitalis I, Fundamente der Fassade von St. Vitalis II, ein Sarkophag und Reste der Krypta von St. Vitalis II.

Nachdem die DAGO Teilnehmerinnen wieder ans Tageslicht zurückgekehrt waren, erfolgte eine gemütliche Einkehr im „Marktbesen“ in Esslingen. Vize Captain Gudrun Armbrust dankte Doris Paul für ihre beeindruckende Führung. Sie überreichte ihr eine Kamelie und Doris Paul versprach, den Damen im nächsten Jahr weitere Sehenswürdigkeiten ihrer Heimatstadt Esslingen zu zeigen.

[Bericht von: Gertraud Bähr]



Neueste Artikel:
Weitere Artikel: